• Flexible Kinderbetreuung für Studierende

    Für eine beispielhafte Selbsthilfe-Lösung im Bereich der flexiblen Kinderbetreuung wurden die Fachhochschule Erfurt, die Universität Erfurt und das Studentenwerk Thüringen mit dem Thüringer Familienpreis 2013 Höhe mit einem Preisgeld in Höhe von 4.000 € ausgezeichnet.

    Zunehmend sind heute Studierende an einer Universität oder Fachhochschule auch gleichzeitig Eltern. Damit stehen sie vor einer großen Herausforderung, insbesondere wenn sie Alleinerziehende sind: Wie kann ich mein Kind während einer Lehrveranstaltung betreuen lassen? Viele solche Veranstaltungen finden nämlich außerhalb der Öffnungszeit der Kindertagesstätten statt, z.B. am Abend oder als Blockveranstaltung am Wochenende oder während der Schließzeiten der Kitas in den Ferien.

    Viele junge Eltern können in solchen Fällen nicht auf die Unterstützung von Familienangehörigen zurückgreifen. Für sie gibt es nur zwei Lösungen: Entweder besuchen sie die Lehrveranstaltung nicht – was für ihr Studium selbstverständlich von Nachteil ist – oder sie nehmen ihr Kind mit in die Veranstaltung.

    In Erfurt haben die Universität und die Fachhochschule in Kooperation mit dem Studentenwerk dieses Problem gemeinsam gelöst. Direkt am jeweiligen Campus wurde eine flexible und dauerhafte Kinderbetreuung aus einer Initiative der studierenden Eltern selbst heraus entwickelt.

    An der Fachhochschule Erfurt findet sich der „Kinderladen“, an der Uni die „Räuberhöhle“. Studierende beider Hochschule können beide Einrichtungen benutzen. Sie sind wochentags von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Die Betreuungszeiten werden in 2-stündige Blöcke unterteilt, die somit eine 90-minutige Lehrveranstaltung einschließlich die Bring- und Abholzeiten umfasst. Auch auf kurzfristige Betreuungsbedarfe kann reagiert werden.

    Stand das Angebot zunächst vor allem studierenden Eltern zur Verfügung, steht es mittlerweile Beschäftigten der beiden Hochschulen, des Studentenwerks und externen Gästen offen, die an Veranstaltungen der Hochschulen teilnehmen. Aber nicht nur diese drei Personenkreise profitieren von diesem Projekt, sondern auch die Betreuer und Betreuerinnen der beiden Einrichtungen. Diese sind Studierende aus den pädagogischen Studiengängen beider Hochschulen, die über Praxiserfahrung in der Kinderbetreuung verfügen und grundlegende Fachkenntnisse und viel Engagement mitbringen.

    Urlaub und Betreuung für pflegende Angehörige

    Für beispielhaftes Engagement zur Unterstützung von Familien mit Demenzerkrankte wurde die AWO SANO Thüringen gGmbH mit dem Thüringer Familienpreis 2013 ausgezeichnet. Zu der Auszeichnung gehört ein Preisgeld von 4.000 €.

    Tagtäglich einen erkrankten Angehörigen zu betreuen und zu pflegen, bedeutet oft an sich selbst zuletzt denken. Hinzu kommt die körperliche und seelische Anstrengung, die die Pflege mit sich bringt, v.a. wenn der oder die erkrankte Angehörige an Demenz leidet. Heute in unserer alternden Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung kommt dieses Leiden immer häufiger vor. Auch die Pflegeverantwortung übernehmen Familien immer häufiger selbst. Pflegende Angehörige brauchen aber vor allem eine Auszeit, damit sie Erholung finden und neue Kraft tanken können.

    In Oberhof haben pflegende Angehörige zusammen mit ihrem an Demenz erkrankten Familienmitglied die Möglichkeit,  gemeinsam Urlaub zu verbringen. Hier bietet die AWO SANO Thüringen gGmbH ein barrierefreies Ferienzentrum, wo Familien – Väter, Mütter, Kinder, Menschen mit oder ohne Behinderung – sich gemeinsam erholen können. Das Ferienzentrum hat sich aber auch insbesondere auf Demenzerkrankte und ihre pflegenden Angehörigen konzentriert und bietet für beide – pflegende und gepflegte Menschen – eine entlastende Urlaubszeit.

    Der gebotene Urlaub beinhaltet einen Aufenthalt in Oberhof von 7 Tagen mit Unterkunft, Verpflegung, einer professioneller Betreuung des zu Pflegenden und einem Freizeitprogramm für die Angehörige. Die an Demenz Erkrankten erfahren Sicherheit, Geborgenheit und Aktivierung mit Sport und Erinnerungsspielen.  Sie werden in Gruppen von maximal 10 Personen ganztags betreut; nachts besteht eine Rufbereitschaft.

    Auf der anderen Seite haben die oft sehr belasteten pflegenden Angehörigen die Gelegenheit, eine Auszeit von der häuslichen Pflege zu bekommen und Erholung und Entspannung zu genießen. Diese werden durch Seminare ergänzt, um Kenntnisse über Demenz zu gewinnen und Vorschläge für die Bewältigung von damit verbundenen Alltagsproblemen zu bekommen.

    Haus "Lebens(t)räume" - Betreuung, Beratung - Pflege für alle Generationen

    Das Projekt Haus „Lebens(T)räume“ der Arbeiterwohlfahrt Bad Langensalza, das einmalig in der Stadt Bad Langensalza wie auch im Landkreis Untrut-Heinich-Kreis ist und Menschen jeden Alters, als Familie oder Alleinstehenden, mit oder ohne Handicap Betreuung, Förderung, Beratung, Begleitung sowie Begegnung anbietet, wird mit dem Thüringer Familienpreis 2013 ausgezeichnet. Zu der Auszeichnung gehört ein Preisgeld von 4.000 €.

    Die Lebenslagen vieler Familien werden heute durch Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von sozialer Unterstützung bestimmt. Dadurch entstehen häufig Hilflosigkeit und gesellschaftliche Abkoppelung, aber auch Ressentiments und Vorurteile gegen andere. Manche Stadtteile, die von den daraus resultierenden Problemen geprägt sind, gelten als soziale Brennpunkte. Vor diese Hintergrund ist es von besonderer Bedeutung, entsprechende lokale Unterstützungsangebote zu entwickeln und vorzuhalten.

    Das Wohngebiet Süd von Bad Langensalza, welches hauptsächlich aus Häuserblöcken in Plattenbauweise besteht, stellt einen solchen sozialen Brennpunkt innerhalb der Stadt dar. In diesem Stadtteil leben viele Familien vom Arbeitslosengeld bzw. Wohngeld. Insofern ist es nur folgerichtig, hier ein soziales Unterstützungssystem zu errichten. Daher, als im Wohngebiet eine halb leerstehende Kindereinrichtung saniert werden sollte, entstand die Idee, ein „soziales Haus“ dort einzurichten. Man wollte dabei Vorhandenes erhalten, aber auch ausbauen und vernetzen. Neben der Kindestagesstätte und einem Förderbereich wurde ein soziales Zentrum als Kooperationsmodell mehrerer freier Träger gegründet, das niedrigschwellige, unterstützende Angebote für Familien und Anwohner anbietet.

    In dem von Grund auf sanierten Gebäude entwickelte die Arbeiterwohlfahrt Bad Langensalza e.V. als sozial aktiver Träger das Projekt Haus „Lebens(T)räume“ mit professionellen sozialen Angeboten auf der Grundlage eines trägerübergreifenden Kooperation. Unter einem Dach befinden sich eine Kindertagesstätte, Schwangerschaftsberatung, eine Koordinierungs-stelle Frühe Hilfe, Seniorentreff und –sport, eine Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Tagespflege und das Projekt „Pflege-Begleiter Thüringen“, sowie eine Beratungsstelle für ehrenamtliches Engagement.

    Das Haus steht den Familien mit kurzen Wegen zur Nutzung zentral im Wohngebiet zur Verfügung und ermöglicht bei Bedarf eine schnelle Zusammenarbeit der verschiedenen sozialen Träger. Im Haus „Lebens(T)räume“ wird den Familien auch die Möglichkeit zur sozialen und gesellschaftlichen Teilhabe sowie zur Selbsthilfe gegeben. Außerdem kann das ehrenamtliche Engagement, z.B. in der Pflege, im Seniorensport, dort gefördert werden.

    Darüber hinaus motivieren die Angebote zu gemeinsamen Aktivitäten, zur Kreativität, Bewegung und Spiel. Gemeinsam gestaltete Höhepunkte im Jahreslauf bereichern das ganze Wohngebiet und tragen zum Abbau von Vorurteilen bei.

    NAHbarn des TausendTaten e.V.

    Das Projekt NAHbarn schafft bei den Senioren die Gewissheit, in ihrer gewohnten Umgebung immer einen zuverlässigen und vertrauensvollen Ansprechpartner zu haben. Die Beziehung ist geprägt vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Während die einen die Welt von draußen nach drinnen bringen, schenken die anderen Geschichten und Lebenserfahrungen.

    Das Projekt ist beispielgebend und erhält den Thüringer Familienpreis 2013 mit einem Preisgeld in Höhe von 4.000 €.

    „Einsamkeit ist in unserer mobilen und vernetzten Gesellschaft ein großes Problem, insbesondere ältere Menschen sind davon betroffen.“ Mit diesem Satz wurde eine Bewerbung zum Thüringer Familienpreis 2013 eingeleitet. Ältere Menschen, die aufgrund körperlicher Beschwerden in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, verlieren soziale Kontakte, haben keine kulturellen Erlebnisse mehr, gehen nicht mehr aus dem Haus und drohen zu vereinsamen.

    Viele dieser Seniorinnen und Senioren haben ein Defizit an Kommunikation und Aktivierung. Dabei benötigen sie nur einen kontinuierlichen Ansprechpartner, der oder die zu ihnen ins Haus kommt, Gesellschaft leistet, Tagesstunden mitgestaltet, auf Probleme reagiert, einfach nur zuhört. Doch viele ältere Menschen sind sehr kritisch und ängstlich, auch gegenüber der eigenen Hausgemeinschaft.

    Ehrenamtliche oder Freiwillige, die nicht aus dem eigenen Haus kommen, aber wöchentlich, regelmäßig und längerfristig zu Besuch kommen, Zeit schenken und Vertrauen aufbauen, wäre die Lösung. Solch ein kostenloses Angebot, das verbindlich organisiert wird, trägt dazu bei, dass ältere Menschen nach Jahren wieder außerhalb der Wohnung spazieren gehen, einen Ausflug machen und ihre Stadt wieder sehen. Und natürlich trägt das sichtbar zur Verbesserung der Lebensqualität bei und bringt Lebensfreude zurück.

    Der Verein Tausend Taten e.V. Jena, hat sich mit verschiedenen Projekten für den diesjährigen Familienpreis beworben. Doch das Projekt „NAHbarn“, welches seit August 2009 inzwischen ca. 65 Paare aus Senior und Freiwilligen im Stadtgebiet Jena miteinander verbindet, hat die Jury am meisten beeindruckt.

    Sonderpreis 2013

    Bildungswochen in Kitas

    Die Jury zum Familienpreis hat entschieden einen Sonderpreis für ein Projekt im Bereich der Kinderta-gesstätten zu vergeben, um die Kontinuität und Weiterentwicklung in der Elternarbeit im besonderen Maße zu Würdigen. Für beispielhaftes und nachahmenswertes Engagement zur Elternbildung in Thüringen wird der Kreisverband der Volkssolidarität Gera e.V. mit dem Sonderpreis des Thüringer Familienpreis 2013 ausgezeichnet und erhält ein Preisgeld in Höhe von 2.000 €.

    Kinder sind das Schönste, was wir haben. Doch Eltern zu sein, ist nicht immer leicht. Wo holt man sich Rat? Mit wem kann man über Sorgen sprechen? Oder ein Fachgespräch über die Entwicklung des eigenen Kindes?

    Eine Antwort auf diese Fragen sind Bildungswochen der Kindertagesstätten, in denen Eltern Praktisches und Wissenswertes, oftmals zusammen mit ihren Kindern, erfahren können.

    Darüber hinaus bekommen Eltern, Erzieherinnen und Netzwerkpartner die Möglichkeit, besser mit einander in Kontakt zu kommen. So fällt es leichter, sich auszutauschen, Rat zu holen oder Hilfestellung zu geben. Vor allem erhöht die gemeinsame Beschäftigung die Bindung zwischen Eltern und Kind.

    Seit 2010 werden in Gera zu diesem Zweck Bildungswochen in 9 Kitas angeboten. Einmal im Jahr gestaltet jede dieser Kindertagesstätten eine Eltern-Kind-Bildungswoche: Ein breit aufgestelltes Programm mit verschiedenen Aktionen, Workshops und Referaten zu ausgewählten Themen, an denen Eltern und Kinder teilnehmen können. Sogar die Kinder werden aktiv in die Planung eingebunden, indem ihre Wünsche und Ideen berücksichtigt werden.

    Oftmals sind Eltern verunsichert, was in der Erziehung ihrer Kinder richtig ist. In Gera durch die Teilnahme an einer Eltern-Kind-Bildungswoche können sie sich selbst auf die Bedürfnisse ihrer eigenen Kinder weiterbilden und lernen, deren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern.

    Die Bildungswoche ist eine besondere Form der Elternarbeit, die für die Kindereinrichtungen einen wesentlichen Bestandteil ihrer Arbeit darstellt. Die Idee lässt sich ohne große finanzielle Mittel einfach auch auf andere Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit übertragen.

  • Frau Prof. Dr. Sabine Schmolinsky (Uni Erfurt); Frau Prof. Dr. Kerstin Wydra (FH Erfurt); Frau Ministerin Heike Taubert
    Herr Ulf Grießmann (AWO SANO Thüringen); Frau Rosemaria Schmack-Siebenlist-Hinkel; Herr Bernd Wernicke (AWO SANO Thüringen)
    Frau Hannelore Stagge (AWO Bad Langensalza); Prof. Dr. Burkhard Fuhs
    Frau Dorothea Petrich, Frau Kathrin Lange-Knopsmeier (Tausend Taten Jena); Frau Ilona Helena Eisner
    Frau Ministerin Heike Taubert; Frau Conny Reller, Frau Karin Senf (Volksolidarität Gera)